Interkulturelle Beratung - Ludwig-Maximilians-Universität München
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Kritische Fälle

Hier sind einige Geschichten von verschiedenen internationalen Studierenden, die an der LMU studieren und Situationen erlebt haben, die sie stressig und unverständlich fanden. Wir haben sie festgehalten, die Namen der Erzähler jedoch geändert.

Marta sucht Freunde

Marta studiert DAF in München. Sie hat in Poznan zwei Semester Germanistik studiert, dann als Au pair bei einer Familie in Starnberg gearbeitet und während dieser Zeit beschlossen, ihr Studium in München fortzusetzen.

Während ihrer Au-pair-Zeit hat Marta sich meist nur mit anderen Au pairs aus Polen getroffen. Jetzt möchte sie aber auch deutsche Freundinnen haben, weswegen sie häufig versucht, nette Kommilitoninnen zu sich einzuladen. Häufig erlebt sie, dass die jungen Frauen absagen. "Ich habe leider keine Zeit, weil ich morgen viel für die Uni zu tun habe und früh ins Bett gehen will", sagte die eine. Eine andere sagte sogar, dass sie die nächsten zwei Wochen eigentlich keine Zeit hätte, und bei einer dritten war sogar der ganze Monat besetzt. Marta fand alles ziemlich unverständlich und überlegte, ob sie sich weiter bemühen sollte. Ihre polnischen Freundinnen hatten meist Zeit für Verabredungen und wenn sie nicht konnten, schlugen sie sofort eine andere Möglichkeit vor.

Die Präsentation

Emilio hat die ersten vier Semester Germanistik in Mailand studiert und setzt jetzt sein Studium in München fort. Es ist sein erstes Semester an der LMU. Er hat sich für ein literaturwissenschaftliches Proseminar eingeschrieben und auch ein Thema für eine Präsentation bekommen.

Für die Präsentation hat sich Emilio viel Mühe gegeben. Er teilt Handouts aus und versucht, klar und deutlich zu sprechen. Als er fertig ist, fragt der Dozent die Studenten, ob sie dazu Fragen oder Kommentare haben. Zwei Studenten stellen Detailfragen, eine Studentin äußert Zweifel an der These, die Emilio vorgetragen hat. Der Dozent bittet Emilio, auf die Diskussion einzugehen, dankt ihm und geht zur nächsten Präsentation über. Emilio ist verunsichert, er versteht nicht, ob der Dozent seine Präsentation gut oder schlecht fand.

Schwierige Gespräche

Katja ist aus Volgograd zum Studium nach Deutschland gekommen. Sie ist sehr froh, die ganzen Hürden der Immatrikulation und des Umzug geschafft zu haben. Jetzt studiert sie Politikwissenschaft in München und wohnt im Studentenheim. Dort wundert sie sich immer wieder über die deutschen Studenten - wenn sie in der Gemeinschaftsküche ist, sagen sie nie etwas zu ihr, bis sie selbst etwas sagt.

Wenn die Deutschen sich untereinander unterhalten, schließen sie Katja in das Gespräch erst dann ein, wenn sie etwas Interessantes zum Thema sagen kann. Und selbst dann ist es für Katja schwierig, weil sie oft über Politik reden und Katja davon nicht so viel weiß.

Das Gruppenreferat

Alesja studiert Germanistik in Minsk. Nun beginnt sie ihr lange erwartetes Auslandssemester in München. Sie ist erst seit zwei Wochen da und kennt noch sehr wenige Leute, vor allem keine deutschen Studenten. Umso mehr freut sie sich, dass sie in einem Seminar mit drei deutschen Studentinnen ein Gruppenreferat halten wird. Nach der ersten Sitzung treffen sich die vier kurz, teilen das Referat untereinander auf und tauschen ihre Email-Adressen aus. Außer im Seminarraum treffen sie sich in diesem Semester nicht wieder. Bei der Präsentation trägt jede Studentin ihren eigenen Teil vor. Alesja hatte alle Texte gelesen, doch bei den Diskussionsfragen bemerkt sie, dass die anderen drei Studentinnen nur jeweils den eigenen Inhalt kennen und über das Gesamtthema nicht Bescheid wissen.