Interkulturelle Beratung - Ludwig-Maximilians-Universität München
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Kennt ihr das?

Die folgenden Aussagen stammen von internationalen Studierenden unterschiedlicher Herkunft.

"Ich bin sehr überrascht, wie unhöflich und direkt die Deutschen sind. In Südkorea müssen wir oftmals in der Kommunikation ganz vorsichtig sein und viel reden, um wenig zu sagen, damit wir nicht unhöflich erscheinen." (Südkorea)

"Ich habe ein Referat gehalten und der Professor hat nur mein nonverbales Verhalten kritisiert, dass ich an der Kette oder mit meinen Haaren gespielt habe. Ich finde es sollte auf den Inhalt meiner Präsentation ankommen und nicht auf diese Kleinigkeiten. Ich bin enttäuscht." (Usbekistan)

"In Südkorea ist es üblich, dass man sich sehr schick anzieht und sehr viel wert auf Makeup legt, wenn man eine Präsentation in der Uni halten muss. Ist das in Deutschland auch so?"

"Deutschland ist viel zu ernst und verschult. Ich wünsche mir mehr Freiheit und Kreativität in meinem Studium (Ich studiere Psychologie.). Als wir keine Vorgaben hatten, waren die Studierenden viel kreativer mit ihren Präsentationen. Aber meistens haben wir genaue Vorgaben und dann muss man sich daran halten, weil man Angst hat eine schlechte Note zu riskieren und es ist schwierig in den Masterstudiengang zu kommen. Außerdem ist es viel interessanter einem Dozenten zuzuhören, der locker ist und den Stoff gut rüberbringen kann, als jemandem, der steif einen Vortrag hält." (Usbekistan)

"Bei uns ist Gruppenarbeit sehr wichtig, weil es sehr viel darüber aussagt, ob man auch in der Gesellschaft klarkommt. Die Dozenten legen großen Wert darauf, wie man sich in der Gruppe verhält. Die Note ist für alle Gruppenmitglieder die gleiche. Deswegen muss man zusammenarbeiten." (Südkorea)

"Es ist so schwierig in Deutschland deutsche Freunde zu finden. Ich bin schon vier Jahre hier und habe nur russische und usbekische Freunde. Ich habe viele gute Gespräche bei Parties, aber dann hört man nichts mehr von den Leuten. Wieso ist das so?" (Usbekistan)

"Meine Dozenten denken, dass alle Studenten Muttersprachler sind. Ich notiere und schlage die unbekannten Wörter später zu Hause nach. Das ist extra Arbeit!"

"Ich habe Probleme mit dem wissenschaftlichen Schreiben. Ich muss meine Hausarbeiten korrigieren lassen. Meine Arbeit dauert zweimal so lange wie die von deutschen Studenten. Ich kann die Sachen wegen der Sprache nicht richtig beschreiben und kann mich nicht präzise ausdrücken."

"Ich habe Probleme mit der wissenschaftlichen Formulierung, aber auch mit der Umgangs-sprache meiner Kommilitonen. Am Anfang hatte ich auch Probleme mit der Orientierung im Studium. Was lernt man überhaupt im Hauptfach? Ich hatte Angst, im Seminar zu sprechen. Ein Referat zu halten – das war schrecklich!"

"Das Bildungssystem ist anders. In meiner Heimatuniversität musste man sich in jeder Sitzung melden. Hier kann man während des ganzen Seminars in der Ecke sitzen und schweigen. Und wenn Leute hören, dass ich DAF studiere und mit Akzent spreche, lachen sie. Ich fühle mich so, als ob ich nichts wäre."

"Bei den Seminaren muss man viel lesen und diskutieren, ich bin daran nicht gewöhnt. Ich habe keine Unterstützung bekommen."

"Die Beziehungen zwischen den Studenten sind kalt. Ich fühle mich an der Uni so anonym. Man lernt durch die Seminare keine Leute kennen. Ich habe hier wenige Freunde, zu Hause habe ich viele."

"In meiner Heimatuniversität interessiert man sich für die Ausländer von sich aus, versucht ihnen zu helfen, geht in die Cafeteria zusammen. In Deutschland interessiert man sich nur für die Amerikaner! In Deutschland habe ich keine richtigen Freunde. Das sind nur Menschen, die ich kenne."

"In Deutschland sind die Menschen immer für sich selbst. Man ist allein an der Uni. Bei mir zu Hause, selbst wenn eine Person introvertiert ist, ist sie sowieso unter Menschen. Und die interessieren sich, wie es dir geht. In Deutschland hat jeder sein eigenes Leben, hier ist man ganz allein. Ich gehöre nie dazu."

"Kontakt mit Deutschen habe ich schon, aber eigentlich nur selten außerhalb der Uni. Ich glaube, wir können keine gemeinsame Sprache finden. Wir sprechen über das Wetter, über die Uni, über die Projekte. Aber einfach frei plaudern kann ich nur mit meinen Freunden aus der Heimat. Die sind auch die einzigen, an die ich mich wenden kann."

"Da war natürlich ein Problem. Als ich erstmals herkam, haben mich alle mit Skepsis angeschaut. Wo kommst du denn her? Wir waren wie Outsider. Keiner wollte mit uns zu tun haben. Oder so habe ich zumindest damals gedacht. Auch heute habe ich nur einige wenige deutsche Bekannte."

"In einem Seminar erlebte ich, dass der Dozent uns duzte. Das hat mich richtig erschüttert."

"Auf meine erste Geburtstagseinladung hatte ich mich so gefreut. In den Ferien zuhause besorgte ich als Geschenk eine schöne Bettdecke. Als ich bei der Party eintraf, wollte ich sofort wieder weg – alle standen da mit der eigenen Flasche Bier, es gab nichts zu essen und ich fiel mit meinem großen Paket so auf."

"Es gibt keine kleinen Gruppen, in denen wir uns kennen lernen könnten. Die Uni tut wenig für die ausländischen Studenten. Ich bin im Unterricht nicht aktiv, weil ich demotiviert bin. Zu Hause hatte ich bessere Studienleistungen als hier. In meinem Fach fallen überdurchschnittlich viele ausländische Studenten durch, obwohl sie meist sehr viel lernen. Ich bin eigentlich mit einer sehr guten Einstellung zu Deutschen hergekommen, dennoch habe ich kaum persönliche Kontakte."

"Im Seminar konzentriert man sich nur auf ein Thema und kann das Übrige vernachlässigen. Das Uni-System ist zu locker, das wirkt demotivierend. Schwierigkeiten habe ich auch mit den Hausarbeiten, sie müssen zu präzise den Anweisungen im Arbeitsblatt entsprechen."