Interkulturelle Beratung - Ludwig-Maximilians-Universität München
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Die Corona-Krise ist für internationale Studierende eine besondere Herausforderung:

Online-Umfrage zu globalem Hamsterverhalten

hamsterninterkulturell


Eine Online-Umfrage bei internationalen Studierenden gibt Einblicke ins globale Hamstern. Die Corona-Krise ist für alle Studierenden eine Herausforderung. Die internationalen Studierenden müssen zusätzliche Probleme meistern wie die Distanz zu Heimatland, Familie und Freunden, Einsamkeit, finanzielle Nöte, Diskriminierungserfahrungen und kaum privaten Kontakt mit deutschen Studierenden.


In den derzeit in der Corona-Krise hoch frequentierten Online-Sprechstunden der interkulturellen Beratungsstelle sorgte das Hamsterverhalten immer wieder für Gesprächsstoff. Deswegen wurde Anfang April 2020 eine Online-Umfrage via E-Mail durchgeführt, um Einblicke in das Hamstern in den Heimatländern der internationalen Studierenden geben zu können. Das Interesse für diesen Aspekt des Alltagslebens erklärt sich daraus, dass dieses ein wichtiger Indikator für kulturelle Prioritäten darstellt.

Das Toilettenpapier war der Favorit

Klopapier_Hamstern


Auf die Umfrage reagierten 44 Studierende aus 21 Ländern (Belgien, Costa Rica, Großbritannien, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Litauen, Luxemburg, Nordmazedonien, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Russland, Spanien, Schweiz, Thailand, Türkei, USA, Zypern).


33 der 44 befragten Studierenden gaben an, in ihren Heimatländern werde einhellig Toilettenpapier gehamstert (Belgien, Costa Rica, Großbritannien, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Luxemburg, Nordmazedonien, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Spanien, USA, Zypern).


37 Studierende nannten haltbare Grundnahrungsmittel und Konserven, jedoch nicht einheitlich, sondern spezifisch nach lokalen Besonderheiten der Esskultur gewählt, z.B. Pasta in Italien, Thunfischkonserven in Finnland, Buchweizen in Russland oder Reis in Thailand. In einigen Ländern (Costa Rica, Finnland, Griechenland, Litauen, Österreich, Polen, Türkei, USA, Zypern) wurden zudem antibakterielle Hygieneprodukte (Masken, Handschuhe, Desinfektionsmittel) gehamstert.


Es gab auch manche Überraschungen. Als besondere Hamsterprodukte stachen Kolonya in der Türkei und Ingwer in den Niederlanden ins Auge. In den Niederlanden wird Ingwer in der Volksmedizin eine heilende Wirkung zugesprochen und soll das Immunsystem stärken.


Das türkische Duftwasser Kolonya mit dem Duft von Zitronen, Orangen, Rosen usw. und hohem Alkoholgehalt als osmanische Übernahme des viel teureren eau de cologne ist aus der heutigen türkischen Alltagskultur kaum wegzudenken. Es wird als Gesichtswasser nach der Rasur verwendet, Kunden beim Betreten des Ladens angeboten, Gästen beim Empfang oder nach dem Essen zum Hände einreiben höflich entgegengehalten. Das türkische Gesundheitsministerium macht unter anderem das desinfizierende Kolonya für die geringen Infektionszahlen in der Türkei verantwortlich.

Hamstern vermittelt Sicherheit in einer unsicheren Zeit


Zu Beginn der Corona-Krise im März 2020 ging es rasant und witzig durch die Medien: in den verschiedenen Kulturen melde sich das Bedürfnis nach Sicherheit in der angsteinflößenden und nie dagewesenen Ausnahmesituation namens Corona.


Die Psychologin Dr. Annegret Wolf erklärte in ihrem Corona Psychologie Podcast im MDR, das Hamstern stärke das Kontrollgefühl in einer sonst unsicheren Zeit. Und wenn es nur die Tatsache sei, dass man sich sicher den eigenen Hintern abwischen könne. Und sobald es Mangel gebe, versuchten die Menschen eben, diesen auszugleichen.

Warum Toilettenpapier?


Warum das Toilettenpapier für viele Kulturen so bedeutend ist, darüber lässt sich nur spekulieren. In vielen Gesellschaften, z.B. in der Türkei und in Indien, gilt das Toilettenpapier als unrein und die Reinigung mit Wasser durch verschiedenste Methoden und Applikationen wird bevorzugt. Auch die Franzosen waren und sind Fans von Bidets, diesen kleinen Badewannen, aus denen das Wasser herausspritzt. Das weiße und reine Klopapier könnte uns gefühlt von unserem eigenen Schmutz befreien und uns damit in die kontrollierte Zivilisation retten. Und das hätten wir in Corona-Zeiten dringend nötig! Seien wir froh, dass wir jetzt wieder genügend davon haben!

„Jede weitere Corona-Verlängerung war ein neuer Tiefschlag“

- ein Bericht über die Lage von internationalen Studierenden in Corona-Zeiten

Das Sommersemester ist anders als andere Semester. Kurse fallen aus oder bekommen ein neues Format, Prüfungen müssen anders abgehalten haben und die sozialen Kontakte werden ebenfalls fast ausschließlich online gepflegt. Das ist für alle eine große Herausforderung. Doch wie geht es eigentlich internationalen Studierenden, die an die LMU gekommen sind?

Sophie Appl arbeitet an der Interkulturellen Beratungsstelle für Austausch-Studierende und kennt diese Befürchtungen: „Gerade zu Beginn hatten wir wahnsinnig viele Anfragen für persönliche Beratungen und haben mit Studierenden gesprochen, die sich in dem fremden Land verloren gefühlt haben, oder mit der Situation nur schwer umgehen konnten.“ So hatte Appl Sprechstunden mit ganz konkreten Fragen, wie etwa das Semester trotzdem wissenschaftlich genutzt werden könnte, oder wie man die Dozent:innen am Besten kontaktiert. Viele waren aber einfach auch dankbar für die Möglichkeit, in einer persönlichen Sprechstunde von der Verunsicherung und Angst zu erzählen. Appl erzählt, dass sich zum Beispiel eine chinesische Studentin unwohl gefühlt hat, draußen unterwegs zu sein, da sie sich beobachtet fühlte. „Wir haben ganz lange über dieses Gefühl gesprochen, ich habe versucht, ihr Halt zu geben.“

Vokabeln für Fortgeschrittene: Hausstand, Ausgangsbeschränkung, Abstandsregelung

Die Interkulturelle Beratungsstelle hat ihr Programm aufgestockt und umgewandelt, so dass jede Woche etwas geboten wird, erzählt Appl. „Einmal die Woche haben wir ein Zoom-Meeting, bei dem sich die Studierenden einfach mit Kaffee oder Tee dazugesellen können, sich kennenlernen und austauschen können. Dazu haben wir noch Formate in die Online-Welt übertragen, die wir auch normalerweise abhalten würden, gehen aber spezifischer auf Corona ein.“

Viele Studierende haben sich zum Beispiel WGs oder Studentenwohnheime gesucht, in denen man in Zeiten von Ausgangsbeschränkungen dicht an dicht sitzt. Appl erklärt, dass es in Deutschland oft distanzierter zugeht, zumindest, bevor sich die ersten Freundschaften entwickelt haben. „Für Viele war das eine Herausforderung, sich auf die neuen kulturellen Gegebenheiten einzustellen. Eine Studentin war sich zum Beispiel unsicher, wie sie mit ihren Mitbewohnern Kontakt aufbauen könnte.“ Das sei ein Thema, das normalerweise auch behandelt werde, erzählt Appl weiter. Durch die Angst vor Corona seien viele aber noch distanzierter, sich hier richtig zu verhalten, werde dann zu einer Herausforderung.

„Fußball hat mich gerettet.“

„Die erste Zeit nach den Ausgangsbeschränkungen war wirklich schwierig, da ich noch kaum Freunde hatte und auch meine Freundin sehr vermisst habe, wir hatten eigentlich einen langen Besuch geplant.“, erzählt Christoffer. „Da war dann auch jede Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen ein neuer Tiefschlag. Trotzdem habe ich versucht, Freunde zu sehen, wir waren oft im Park spazieren, mit ganz viel Abstand. Mein Highlight war es, Fußball zu spielen, wenn auch nur mit viel Abstand und wenigen Mitspieler:innen. Das hat mir wirklich geholfen.“

Auch Nick hatte diese Momente, in denen es schwierig war: „Ich war vor allem enttäuscht, dass mein Semester so gut begonnen hat und so schnell wieder geendet hat. Klar, ich bin jetzt noch hier und
nehme jeden Tag so viele Erfahrungen mit, wie möglich.“ Trotzdem hat Nick Glück gehabt, findet er. Denn in seiner WG wohnen acht Jungs, sodass er nie wirklich einsam war und viele gemeinsame Unternehmungen die Ausgangsbeschränkungen erträglich gemacht haben.

Zwischen Online-Kursen und neuen Plänen

Langsam aber gewöhnen sich alle mehr und mehr an die neue Situation. Dabei hilft auch, dass sich das Uni-Leben eingependelt hat und wieder Kurse stattfinden - online. „Für mich sind die Online-Kurse wirklich praktisch.“, erzählt Nick. „Ich studiere Jura und brauche schon etwas länger, um die Zusammenhänge auf Deutsch verstehen zu können.“ Die Jura-Fakultät arbeitet viel mit Podcasts und Nick kommt das sehr entgegen: „Da kann ich jederzeit anhalten, zurückspulen, oder nebenbei nach Begriffen googeln. Außerdem habe ich jetzt auch mehr Zeit, da ich nicht so viel mit Menschen unterwegs bin und konnte so noch ein paar Kurse an meiner Heimat-Uni belegen, ich werde also hoffentlich schneller fertig mit meinem Studium.“

„Das Leben an einer deutschen Uni? Kenne ich immer noch nicht.“

Christoffer studiert Germanistik und ist nicht so begeistert von der Online-Uni. „Die Kurse sind zwar cool und spannend, aber ich habe gar nicht die Möglichkeit, meine Kommiliton:innen kennenzulernen.“ Er denkt kurz nach: „Ich kann dir gar nicht sagen, ob ich mich an der LMU wohlfühle, weil ich gar keinen Kontakt dazu habe. Das finde ich richtig schade. An den dänischen Unis ist es zum Beispiel so, dass wir nach den Kursen immer gemeinsam Kaffee trinken gehen und Gruppenarbeiten vorbereiten. Ist das hier auch so?“

Und wie läuft es hinter den Kulissen?

Nicht nur für die Austauschstudierenden, auch für die interkulturelle Beratungsstelle waren die vielen Beratungen waren anstrengend, jedoch konnte Appl eine ganz neue Nähe zu den Studierenden feststellen: „Plötzlich sitzt man da in einer Beratung und unterhält sich mit dem Studierenden über die Erfahrungen und Probleme und merkt, dass man wirklich durchkommt. Ich fand es total schön, in so engem Kontakt zu stehen und viele auf ihrem Weg zu begleiten.“


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